E-Mail vom 31. Mai 2002

Heute Nacht kam ich von einer langen Buschtour zurück.
Ich besuchte Indianerdörfer entlang der paraguyaischen Grenze. Die Tuberkulose ist dort besonders schlimm und vor allem die Unterernährung bei Kindern. Mehr als 40% der Kinder von 0 - 5 Jahren leiden an schwerer Unternährung. In einem Dorf mit 3000 Indianern starben im letzten Jahr 48 Kinder im Alter bis zu 5 Jahren.
Ich habe eine Reihe von schwer unterernährten Kinder gesehen, und ich war sehr schockiert. Zusammen mit dem Indianergesundheitsdienst haben wir im letzten Jahr ein Programm zur Bekämpfung der Tuberkulose begonnen, das bereits Erfolge zeigt.
Jetzt wollen wir gegen den Hunger kämpfen , indem wir den Indianern helfen, etwas anzubauen und ein paar Hühner zu halten. Wir besuchten Dörfer entlang der Grenze zu Paraguay, eine schwierige Region, denn schlechte Strassen, Urwald und Rauschgifthandel sind eine ständige Bedrohung. Mehr als 2.700 km legten wir zurück und meine Wirbelsäule hat alles gut überstanden.
Ich schicke ein paar Bilder mit. Da könnt ihr sehen , wie die Indianer in unmenschlichen Verhältnissen leben.

   
Das Bild mit dem Kind in einer aus einem Autoreifen gebastelten Schaukel habe ich auf der Missionstation gemacht, wo die schwer unterernährten Kinder behandelt werden. Das Kind hat sich schon sehr erholt. Doch was ich dort an kleinen Kindern, die vom Hunger gepeinigt wurden, gesehen habe, hat mich zum Weinen gebracht.
 

Sie leben in den Hütten, schlafen auf dem Lehmboden und essen einmal am Tag Reis und Bohnen. Manchmal sind sie über eine Woche ohne Lebensmittel.

Ich bin jetzt die nächsten beiden Wochen in Cuiaba und dann geht es wieder auf Buschtour.