Rundbrief vom Januar 2002

Der Friede ist der feste Wille, die Würde der anderen Menschen und Völker zu respektieren.

Liebe Freunde!

"Entwicklungshilfe - ein umstrittenes Wort. Viele Menschen sagen : Was geht das uns an? Haben wir nicht genug Schwierigkeiten im eigenen Land? Wir haben Arbeitslosigkeit, es gibt bei uns arme Leute, ganz zu schweigen von Krankheiten, seelischen Problemen, oder dem Sterben von Wäldern. Diese Leute verkennen, dass wir trotz alledem zu den Reichsten gehören, die es auf dieser Erde gibt. Und auch das ist erwiesen, dieser Reichtum ist nicht unabhängig. Er blüht zu einem erheblichen Teil deshalb, weil wir die Armut der Menschen in den Entwicklungsländern für unsere Geschäfte ausnützen. Wir bezahlen ihre Ware so gering, dass sie vom Erlös ihrer Arbeit kaum genug zum Überleben haben. Wir bauen Fabriken in Indien oder Südamerika, weil wir dort nur einen Bruchteil der Löhne zahlen müssen, wie im eigenen Land. Der dadurch erwirtschaftete Gewinn fließt aber in das reiche Land. So könnte es geschehen, dass trotz weltweiter Bemühungen zur Bekämpfung von Hunger und Armut kaum Fortschritte zu verzeichnen sind. Im Gegenteil, die Verhältnisse verschlechtern sich in manchen Ländern von Jahr zu Jahr". Mit diesen Worten eröffnete Dr. Peter Bernhart aus Wolnzach im Jahre 1985 einen meiner Vorträge.

Mehr als 16 Jahre sind vergangen, doch diese Worte haben nichts an Aktualität verloren. Die Armut, die ungleiche Verteilung der Güter haben zugenommen. Allein in Brasilien leben 50 Millionen Menschen mit weniger als US$ 2 am Tag in der absoluten Armut. Das sind knapp 30% der brasilianischen Bevölkerung. Die Folge sind die Zunahme von Gewalt, Kriminalität und Krankheiten , wie Tuberkulose, Denguefieber, Wurmerkrankungen, Aids. Auch Lepra ist weiterhin ein großes Problem, mit 42.000 neuen Fällen jährlich steht Brasilien an 2. Stelle weltweit nach Indien.

Um Frieden zu schaffen, müssen die Ursachen der Streitigkeiten zwischen den Menschen und Völkern abgeschafft werden, vor allem die Ungerechtigkeit. "Entwicklungshilfe kann nicht von außen verordnet werden, sondern muss als wesentliche Voraussetzung für Entwicklung die Beteiligung der Betroffenen fördern und unterstützen. Die Betroffenen selbst müssen die Möglichkeit finden, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu artikulieren. Eine solche Entwicklung ist weniger eine Entwicklung von Sachen als die Entwicklung von Menschen: durch sie selbst und für sie selbst". ( Karla Krause )

Gerade die personelle Entwicklungshilfe ist eine gute Möglichkeit , sich für eine gerechte Entwicklung einzusetzen. Entwicklungshelfer werden zu Botschaftern und Brückenbauer zwischen zwei Welten und Kulturen. Man kommt sich näher, Vorurteile werden abgebaut und es entstehen wahre Freundschaften. Um Ungerechtigkeit abzubauen, sind nicht nur Menschen mit guten Fachkenntnissen gefragt, sondern auch Menschen die ein gutes Herz haben, ein Herz voller Nächstenliebe. Denn der Friede ist auch Frucht der Nächstenliebe, die weitergeht, als es nur die Gerechtigkeit vermag.

Unser Lepraprogramm
Unser Lepraprogramm konnten wir erheblich ausweiten. Im Rahmen der Dezentralisierung des öffentlichen Gesundheitsdienstes arbeiten wir direkt mit den Städten. Über 40 Städte unterstützen wir in der Lepra/Tuberkulosearbeit. Im Jahre 2000 registrierten wir 3.600 neue Leprafälle in den Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul, darunter 300 Kinder. Insgesamt waren im Jahre 2000 mehr als 7000 Leprakranke in Behandlung. Die meisten Leprakranken kommen aus sehr armen Verhältnissen, leben im Armenviertel, sind arbeitslos und hungern. Viele Kranke leiden unter den Vorurteilen gegenüber der Lepra, verheimlichen deren Krankheit, haben Angst, Familie, Freunde oder den Job zu verlieren. Sie leiden unter ständiger Angst, einige unter Depressionen und Verzweiflung.
Im Landesreferenzzentrum für Lepra wurde eine Psychologin angestellt, um diesen Patienten zu helfen. Zwei Sozialarbeiterinnen bemühen sich , Patienten mit schweren sozialen Problemen zu helfen, indem sie Ausbildungskurse vermitteln, Arbeitsplätze besorgen oder Lebensmittel für Patienten in besonders schwieriger Situation besorgen.
Da viele unserer leprakranken an schweren Nervenentzündungen leiden und das nicht selten zu Muskellähmungen an Händen, Füssen oder Augenschließmuskel führen kann, haben wir jetzt ein Team von 2 Orthopäden, 02 Anästhesieärzte, 01 Augenarzt und 02 Krankengymnasten, die diese Patienten operieren und behandeln. Im Landesreferenzzentrum baut die Regierung einen OP-Saal, damit die Patienten nicht immer monatelang auf einen Termin im Krankenhaus warten müssen.
Unser Netz von Schusterwerkstätten konnten wir auf 14 im Mato Grosso und 5 im Mato Grosso do Sul erweitern. Viele Leprakranke haben auf Grund von Nervschäden gefühllose Füße, die wiederum schwere Wunden bis zur Verstümmelung verursachen können. Durch diese Schusterwerkstätten können wir verhindern, dass es zur Verstümmelung oder Verlust des Fußes kommt. Das brasilianische Gesundheitsministerium hat unsere Schusterwerkstätten als Modell für Brasilien anerkannt. Unser Schuster von Rondonopolis wurde zum Berater für das Gesundheitsministerium in Brasilia ernannt und Kurse für Schuster aus ganz Brasilien sollen im kommenden Jahr in Cuiaba organisiert werden.

In Zusammenarbeit mit dem Zentrallabor haben wir einen Labordienst in den 139 Städten im Mato Grosso und 77 Städten im Mato Grosso do Sul organisiert. Laborärzte und MTA`s wurden ausgebildet. Durch Qualitätskontrollen wird die Laborarbeit in den Städten begleitet , um somit die Diagnose für Lepra und Tuberkulose zu garantieren. Auch diese Tätigkeit wurde vom brasilianischen Gesundheitsministerium als sehr gut und einzigartig in Brasilien bewertet.

Die Tuberkulosearbeit
Seit einigen Jahren unterstützen wir kombinierte Lepra/Tuberkulose-Programme in den Städten. Ganz einfach deshalb, weil die meisten Ärzte und Krankenschwestern für beide Bereiche zuständig sind. Bei Ausbildungskurse unterrichten wir beide Krankheiten. Im März diesen Jahres fand eine Konferenz in Brasilia mit dem Thema " Stop Tuberkulose " statt, an der 8 lateinamerikanische Länder sowie internationale Hilfsorganisationen teilnahmen. Der brasilianische Gesundheitsminister eröffnete die Konferenz. Die Ministerialdirektorin für die Tuberkuloseabteilung des brasilianischen Gesundheitsministeriums , Frau Dr. Maria Luzia Pena, hob die gute Zusammenarbeit mit dem DAHW im Mato Grosso hervor : "Die Arbeit des DAHW im Mato Grosso sei ein Beispiel, wie Nichtregierungsorganisationen - NRO´s - mit brasilianischen Behörden erfolgreich zusammenarbeiten können", sagte sie. Tuberkulose ist eine Krankheit, die in den letzten Jahren vor allem in den Entwicklungsländern sehr anstieg. Sie ist eine Krankheit der Armut. Mehr als 8.4 Millionen neue Fälle wurden im Jahre 2000 weltweit registriert. Davon starben 3 Millionen. In Brasilien werden jährlich 90.000 neue Fälle registriert mit 9.000 Toden. Obwohl Tuberkulose heilbar ist, ist sie einer der größten Killer im öffentlichen Gesundheitsdienst. 90% der Tuberkulosefälle kommen aus der sehr armen Bevölkerungsschicht, dort wo Hunger, fehlende Hygiene und schlechte Wohnverhältnisse das Leben der Menschen bestimmen.
Laut offiziellen Angaben leiden in Brasilien 10% der Bevölkerung und 8.6% der Kinder zwischen 12 - 24 Monaten an Unterernährung. 50 Menschen sterben täglich wegen Fehlen von sanitären Anlagen, davon 40 Kinder unter 15 Jahren. 1,1 Millionen Kinder im Alter von 5 - 14 Jahren arbeiten und gehen nicht zur Schule.

Von 1995 - 1998 bezahlte Brasilien US$ 128 Milliarden an Schulden. Im selben Zeitraum erhielt Brasilien Investitionen von US$ 66 Milliarden.

Der Indianerdistrikt Dourados

Seit August 2001 unterstützen wir den Indianerdistrikt Dourados im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Als der Portugiese Cabral im Jahre 1500 Brasilien entdeckte, lebten ca. 3- 5 Millionen Indianer in Brasilien. Heute leben 345.000 Indianer oder 0.2% der brasilianischen Bevölkerung.
Sie sind aufgeteilt in 215 ethnische Gruppen und leben in 441 Indianerreservaten mit einer Fläche von 98.954.645 Hektar , oder 11.58% der Fläche Brasiliens.
In Mato Grosso leben 25.123 Indianer in 66 Reservaten und im Mato Grosso do Sul 32.519 Indianer in 48 Reservaten. Im Mato Grosso sind es 42 ethnische Gruppen und im Mato Grosso do Sul 9.

Die meisten Indianer sprechen sowohl portugiesisch als auch deren eigene Sprache. Während im Süden die Indianer sich schon der Zivilisation angepasst haben, leben sie im Norden noch mehr in der Natur. Durch den Kontakt mit der Zivilisation verlor der Indianer seine Identität. Seine Kultur und seine Lebensform als Jäger und Fischer wurden zerstört. Mehrere ethnische Gruppen mit verschiedenen Sprachen und Kulturen wurden in einem Reservat untergebracht, was natürlich Konflikte brachte und bringt. Der Indianer befindet sich in einer Identitätskrise, soziale Probleme, Krankheiten führen zu Alkoholismus und Selbstmord. Die Selbstmordrate ist sehr hoch, in Dourados war bei 9% der Todesfälle Selbstmord die Ursache. Tuberkulose und Unterernährung sind die größten Probleme. Mehr als 10% sind an Tuberkulose erkrankt und 35% der Kinder unter 5 Jahre leiden an schwerer Unterernährung .

Während die Tuberkuloserate in Brasilien bei 55 Kranken /100.000 Einwohnern liegt, beträgt sie im Indianerdistrikt Dourados 1.700/100.000 und bei den Kindern sogar 2.100/100.000. Das sind schon katastrophale Verhältnisse, deshalb hat sich das DAHW sofort entschieden, den Indianerdistrikt im Kampf gegen Tuberkulose zu unterstützen.

Vor kurzem hielt der Indianerhäuptling Marcos Terena in der Stadt Barra do Bugres / Mato Grosso bei der Einweihung der ersten Universität für Indianer einen Vortrag, den ich hier zitiere: "Vor 500 Jahren , als die Weißen sich im Regenwald verirrt hatten, wollten wir ihnen helfen , ein Haus , Nahrung und Schutz zu haben. Was haben sie uns gegeben? Sie sagten , unsere Kultur sei nichts wert, unser Tanz sei schlecht und unsere Sprache hätte keinen wert. Und sie beschlossen : wir werden diese Indianer zivilisieren. Wir sind keine faulen Indianer, und auch keine wilden Indianer, sondern ein Indianervolk mit einer Vielfalt von Kultur, Sprachen und Gebräuche Wir sind traurig über die Weißen, die sich für zivilisiert betrachten, doch ihren Kindern schlechte Musik beibringen. Nicht wir haben Straßenkinder, Heime für verlassene Kinder, Psychiatrien und Altenheime. Wir erziehen unsere Kinder, damit sie stark sind. Wir zerstören nicht die Natur. Es sind nicht wir, die Bomben werfen."

100 Kinder unter einem Jahr starben von Januar bis Oktober 2001 Die Zerstörung des Regenwaldes : Die Zerstörung des Regenwaldes beeinflusst negativ das Klima. Jährlich werden 14.800 km² abgeholzt . 22 ausländische Holzfirmen sind maßgeblich beteiligt. Mehr als 12% des Regenwaldes wurden bereits zerstört. Wegen Abnahme des Regens während der Regenzeit musste die Landwirtschaft Einbussen von bis zu 20% hinnehmen. Die Stromversorgung droht zusammenzubrechen, da 80% der Stromerzeugung durch Wasserkraftwerke produziert wird.

Die Stauseen sind wegen fehlendem Regen fast ohne Wasser. Die brasilianische Regierung hat ein Sparprogramm für Stromverbrauch im Juni eingeführt, wonach jeder Haushalt 20% Strom sparen muss. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe bis zu 200% und abschalten des Stromes für 3 Tage rechnen. Den wirtschaftlichen Schaden kann man nur erahnen: Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten.

Das Kinderheim "Casa Menor " in Varzea Grande"

Wer sich für das Soziale einsetzt, wird ohne Zweifel anerkannt.
Seit zwei Jahren unterstützen wir das Kinderheim. Derzeit werden 400 Kinder aus armen Familien betreut, darunter 35 leprakranke Kinder und 1 Kind mit Tuberkulose. Die Kinder erhalten 3 Mahlzeiten am Tag, Schul- und Berufsausbildung. Außerdem werden sie zahnärztlich betreut. Die Kinder werden nur tagsüber betreut, abends gehen sie nach Hause. Die meisten Kinder lebten zuvor als Straßenkinder. Der Sozialdienst des Leprazentrums in Varzea Grande und Cuiaba überweist die Kinder in dieses Heim. Die deutsche Botschaft in Brasilia ermöglichte mit der Spende von DM 10.000 die Einrichtung eines Computerkurses. Als die Computer geliefert wurden, tanzten die Kinder vor Freude um die verschlossenen Pakete. Ein Traum wurde Wirklichkeit - eine Computerausbildung zu machen und dann einen guten Job zu bekommen.

Meine Familie

Meine Frau arbeitet nach wie vor als Hautärztin im Landesreferenzzentrum für Lepra in Cuiaba und im Leprazentrum in Varzea Grande. Sie behandelt im Durchschnitt täglich 40 Patienten. Einmal die Woche betreut sie Medizinstudenten. Für das Gesundheitsministerium besucht sie Städte, bildet Ärzte in Lepra/Hautkrankheiten aus und macht Beraterdienste. Sie reklamiert häufig über die schlechten Arbeitsbedingungen : Klimaanlage bei 40° C und mehr funktioniert nicht, kein Wasser zum Trinken und oft auch nicht zum Hände waschen. Die Lepramedikamente sind zwar garantiert, doch häufig haben die Patienten noch andre Probleme ( Diabetes, Bluthochdruck, Infektionen ) und dann fehlen die Medikamente. Die Patienten haben kein Geld , die Medikamente zu kaufen und das ärztliche Rezept hat somit keinen Wert.

Ein anderes Problem sind die schweren sozialen Probleme, vor allem der Hunger und die Ohnmacht, nicht helfen zu können.

Meine Tochter Rose studiert in der Stadt Ribeirão Preto im Bundesstaat São Paulo Journalistik. Sie beendete das 2. Semester. Vor kurzem hielt sie an der Universität ein Referat über Lepra und die Arbeit des DAHW im Mato Grosso. Die Professoren waren begeistert und die Universität organisierte ein Leprakampahne.

Mein Sohn Roberto hat das Abitur gemacht und will nun Betriebswirtschaft studieren.

Ich selbst habe ein hartes Jahr hinter mir. Ende Juli erkrankte ich an einem Bandscheibenvorfall. Der Arzt verordnete strenge Bettruhe. Mein linkes Bein und Fuß waren gefühllos und die Zehen gelähmt. Da nach einem Monat Bettruhe keine Besserung eintrat, bat mich Dr. Andreas Kalk vom DAHW nach Deutschland zu kommen. So flog ich im Rollstuhl nach Deutschland, wo mich Dr. Kalk und Frau Jovanovic vom DAHW am Flughafen in Frankfurt abholte und in die Uniklinik - Neurochirurgie in Würzburg brachte. Dort wurde ich mit Erfolg operiert und nach 2 Wochen wurde ich in die Reha-Klinik Kipfenberg bei Eichstätt verlegt, wo ein ehemaliger Schulfreund, Franz-Josef Beringer, Verwaltungsdirektor ist. Sowohl in Würzburg als in Kipfenberg war die Behandlung sehr gut. Einen ganz herzlichen Dank für die vielen Besucher sowohl im Krankenhaus in Würzburg als auch in der Reha-Klinik in Kipfenberg, für die vielen Telefonanrufe und die lieben Briefe, die ich erhielt. Ohne Zweifel, das hat erheblich zu meiner raschen Genesung beigetragen. Nach 8 Wochen Deutschlandaufenthalt konnte ich dann wieder nach Brasilien zurückfliegen.

In meinen 22 Jahren Lepradienst bin ich mehr als 1 Million Kilometer mit dem Jeep gefahren, das hält nicht der beste Stossdämpfer aus und hat auch meine Wirbelsäule nicht ausgehalten. Jetzt muss ich langsamer tun und vor allem die harten Buschfahrten meiden.

Ein guter Freund, Opfer der Gewalt

Die Gewalt hat im Mato Grosso wie auch in anderen Teilen Brasiliens sehr zugenommen.
Bis Anfang August wurden in Cuiaba mehr als 330 Menschen ermordet. Die Stadt liegt im Grenzgebiet zu Bolivien. Die Gegend ist geprägt durch große Menschenleere Landstriche. Dieses Busch- und Urwaldgebiet ist ein Eldorado für die Drogenmafia, für Schmuggler, Autodiebe und Verbrecher. Die Bevölkerung in diesem Grenzgebiet lebt unter ständigem Terror. Entführungen , Morde und Autodiebstähle sind an der Tagesordnung. Die Polizei hat die Kontrolle verloren, oder besser gesagt, sie hatte sie noch nie gehabt.

Am 11. Februar 2001 kam in der Urwaldstadt Jauru der italienische Pfarrer Nazareno bei einem brutalen Überfall ums Leben.
Nach der Abendmesse war der Pfarrer mit mehr als 10 Personen , darunter 3 Ärzte , im Speiseraum des Pfarrhauses versammelt , als plötzlich zwei maskierte mit Pistolen bewaffnete Banditen eindrangen. Sie bedrohten alle Anwesenden und unterzogen sie einem russischen Roulett. Der Mann , der den tödlichen Schuss abgab, hatte noch zum Pfarrer gesagt, dass er der Abendmesse beiwohnte und ihm die Predigt gefallen hätte. Trotz der schweren Verletzung starb der Pfarrer nicht sofort. Er wurde noch in der selben Nacht unter abenteuerlichen Bedingungen nach Cuiaba gebracht und dann nach São Paulo. 10 Tage später erlag er seinen Verletzungen. Die Polizei glaubt an einen Überfall, doch die Banditen hatten nichts mitgenommen. Die Mehrheit der Bevölkerung geht von einem Mordanschlag aus. Bis heute wurden die Mörder nicht gefasst. Der Pater Nazareno war ein sehr guter Freund von mir, oft war ich in seiner Pfarrei, besuchte mit ihm die Buschbewohner.
Seine besondere Sorge galt den Leprakranken. Seine Pfarrei ist sehr groß, hauptsächlich Urwaldgebiet mit schlechten Strassen. Er baute ein Netz von 56 Kapellen auf, die er regelmäßig einmal im Monat besuchte. In der Stadt baute er eine Schule, ein Krankenhaus und ein Altenheim. Trotz seiner 60 Jahre war er unermüdlich im Einsatz, scheute keine Mühen oder Strapazen, er war immer für die Menschen da. Kurz vor seinem Tod vergab er seinem Mörder und dem Auftraggeber und bat seine Freunde, für die Bekehrung seines Mörders zu beten.

Ich wünsche Euch ein frohes gesegnetes Weihnachten und ein erfolgreiches Neues Jahr!
Ein Vergelt´s Gott an alle.
Euer Manfred